Die Nachfrage nach Fortbildungen im Bereich Gewaltprävention ist nach meiner Erfahrung aktuell enorm hoch.

Woran liegt das?

Gewalt an Schulen nimmt nicht unbedingt zu, das Phänomen ist schon lange bekannt, aber sie verändert sich.
Besonders durch die vielen Möglichkeiten, die die Sozialen Medien mit sich bringen, steigen auch die Möglichkeiten, virtuelle Gewalt auszuüben. Was vor einiger Zeit vielleicht noch auf den Schulhöfen und in den Einrichtungen ausgetragen wurde, was dazu führte, dass Lehrer*innen und Fachkräfte einen Überblick hatten, geschieht heute häufig im Nachmittagsbereich und bleibt vollkommen unentdeckt.

Außerdem vermehren sich die interkulturellen Konflikte unter den Kindern und Jugendlichen, die teilweise aus sehr unterschiedlichen Ländern kommen und damit einhergehend auf vollkommen unterschiedlich sozialisiert wurden. Sie haben alle verschiedene Strategien zur Konfliktlösung erlernt und wenn diese aufeinander treffen, ist Gewalt nicht selten das Ergebnis.

Ist es nun also an uns das Internet zu verteufeln und plötzlich doch gegen Vielfalt zu sein?

Auf gar keinen Fall!
Es liegt aber ganz eindeutig an uns, uns neue Methoden der Gewaltprävention anzueignen. Denn wenn sich die Gewalt verändert, ist auch eine gewisse Flexibilität von Seiten der Pädagog*innen gefragt, um darauf bestmöglich einzugehen.
Sich nur zu beschweren bringt uns nicht weiter, wir müssen uns den Situationen anpassen und neue Handlungsoptionen erlernen.

Was ist das Wichtigste, wenn es um Gewaltprävention geht?
Zunächst muss man sich vor Augen führen, dass das gewalttätige Verhalten immer einen Ursprung hat. Für die Kinder und Jugendlichen, die auf verschiedene Weise – egal ob körperlich oder verbal – gewalttätig und übergriffig werden, ist ihre Handlung sinnvoll begründet. Sie erfüllt einen subjektiv logischen Grund und scheint somit zunächst die einzige Option zu sein.
Also gilt es im ersten Schritt, wie so oft in der pädagogischen Arbeit, an den Ursachen zu forschen. Wenn wir die Schmerzpunkte, die Ängste und die Sorgen, die der Gewalt in der Regel zu Grunde liegen, nachvollziehen können und an diesen mit den Kindern und Jugendlichen arbeiten können, wird Gewalt unnötig.

Als zweites geht es darum, Handlungsoptionen zu erarbeiten.
Denn auch wenn die Ursachen vielleicht nachvollziehbar sind, so ist es nicht immer möglich, diese zu ändern. Und dann müssen Verhaltensalternativen her.
Häufig beginnt die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen bei der Kommunikation.
Sie müssen lernen, dass sie ihre Gefühle, die als Auslöser für Gewalt wirken, erkennen und verbalisieren können und auch dürfen.
Wer die Wut im Bauch spürt, muss Wege gezeigt bekommen, diese auf eine andere Weise entweichen zu lassen, als sich beispielsweise zu prügeln. Und das kann man nur in Situationen lernen, in denen man gelassen ist.
An Schulen bieten sich die Klassenratsstunden an, oder das Soziale Lernen, wenn dieses in den Stundenplan integriert ist. In anderen Einrichtungen können solche Stunden variabel geplant werden.
Beispielsweise durch Rollenspiele können die Kinder und Jugendlichen beobachten, wie sie und ihre Klassenkamerad*innen sich in der Regel in Konfliktsituationen verhalten und dann über den Tellerrand schauen und anhand von Beispielen lernen, welche weiteren Handlungsoptionen es gibt.
Wer diese in einem Setting ausprobiert, dass nicht den Ernstfall widerspiegelt, kann man hinein fühlen und bemerkt eventuell, dass auch diese Lösung das Gefühl der Befriedigung bietet.

Und bei allen Arten und Stufen der Gewaltprävention gilt: Die Kinder und Jugendlichen müssen von den Pädagog*innen ernst genommen werden. Denn nur wer die Erfahrung macht, dass die eigene Stimme auch gehört wird, wird diese im tatsächlichen Konfliktfall nutzen. Andernfalls wird den Kindern und Jugendlichen diese Möglichkeit genommen und sie haben das Gefühl, der Körper sei das einzige wirksame Werkzeug.