Das neue Jahr hat begonnen und vielleicht hast auch Du Dir bereits Gedanken über Deine Ziele und Pläne für das Jahr gemacht – Neujahrsvorsätze aufgestellt.
Unsere Neujahrsvorsätze haben oft alle etwas gemeinsam: Veränderung als Grundlage.
Vielleicht soll es ein neuer Job sein, ein neuer Wohnort oder andere Dinge, die Du in diesem Jahr verändern möchtest.

Auch die Inhalte meiner Arbeit, sowohl Coaching, als auch Trainings und Teamfortbildungen haben als Grundlage meistens den Wunsch nach Veränderung.
In der heutigen Zeit suchen sich Menschen immer häufiger Unterstützung, bei ihren persönlichen Veränderungsprozessen, oder den geplanten Veränderungen im Team.

Nun stellt sich aber die Frage: Warum benötigen so viele Menschen Unterstützung bei ihrer Veränderung?
Um diese Frage zu beantworten, muss ich eine weitere Frage voranstellen: Warum ist Veränderung für Menschen so schwierig?

Jeder Mensch trägt etwas mit sich herum, was man als Unterbewusstsein bezeichnen kann, vielleicht auch als Angst, oder als Überlebensinstinkt. Wie auch immer wir es nennen, es äußert sich meist in einer inneren Stimme und hat das große Ziel, uns jederzeit in Sicherheit zu wissen. Wegen dieser Stimme springen wir beispielsweise nicht einfach von Häusern, weil es eventuell spaßig sein könnte, schwimmen zu weit ins Meer und so weiter. Wir haben einen inneren Begleiter, der – oder die – auf uns aufpasst.
Dieser innere Begleiter kennt uns mittlerweile so gut, dass er weiß, welche Dinge wir tagtäglich tun und dass diese nicht gefährlich für uns sind. Und damit ist er zufrieden.

Wenn wir eines Tages auf die Idee kommen, uns zu verändern und etwas tun, was wir noch nie vorher getan haben, dann meldet sich die Stimme plötzlich zu Wort. Wir werden nervös, zweifeln und sind unsicher. Warum? Die Stimme kennt die Situation noch nicht und kann deshalb nicht mit Sicherheit davon ausgehen, dass uns nichts zustößt, wenn wir uns ihr aussetzen.

Natürlich ist das ganz furchtbar lieb gemeint, denn unser innerer Begleiter möchte ja nur unser bestes. Wir können also erstmal dankbar dafür sein, dass wir vor jedem neuen Schritt gewarnt werden.
Allerdings können wir die Stimme auch nur davon überzeugen, dass etwas ganz und gar nicht schlimm oder gefährlich für uns ist, indem wir genau dieses Etwas tun – ohne das Einverständnis der Stimme – und anschließend immer noch am Leben sind.

Beispielsweise möchtest Du eines Tages auf einer großen Bühne stehen und vor vielen Menschen auftreten.
Wenn Du das vorher noch nie gemacht hast, wirst Du von Deiner inneren Stimme eine ganz eindeutige und laute Warnung bekommen, die sich in Aufregung, Nervosität und Selbstzweifeln äußert.
Vielleicht noch nicht nach dem ersten Mal, aber spätestens nachdem Du diese Situation zwei, drei Mal gemeistert hast, weiß Dein Unterbewusstsein, dass es Dich ab jetzt nicht mehr davor warnen muss, weil Du nämlich überhaupt nicht in Gefahr bist. Obwohl Du vorher wahnsinnig große Angst hattest.
Du hast also einen großen Schritt gemacht und Deine innere Stimme ist Dur gefolgt, kennt den Weg nun auch und folgt Dir weiterhin ganz zufrieden.

Das bedeutet, wann immer Du vor der Frage stehst, ob Du etwas an dem Gewohnten verändern willst und plötzlich das Gefühl der Unsicherheit spürst, kannst Du Dir bewusst machen, dass Dich da nur Jemand schützen möchte. Anschließend liegt es ganz allein bei Dir selbst, ob Du Dich traust, den Einwand zu überhören und gemeinsam mit Deinem Unterbewusstsein zu wachsen.

Es ist jetzt also klar, warum wir überhaupt Schwierigkeiten mit Veränderungen haben: Unser Unterbewusstsein möchte uns vor Gefahren schützen – diese Gefahren müssen nicht etwa wilde Tiere sein, sondern können auch beispielsweise in Unglück oder Scham ihren Ausdruck finden.

Das „Problem“ an diesem ganzen Prozess ist, dass unser Unterbewusstsein nun mal bisher immer nur mit uns unterwegs war und deshalb gar nicht wissen kann, ob die Dinge, die wir noch nicht versucht haben – wie beispielsweise auf einer Bühne stehen – uns nicht möglicherweise viel glücklicher machen, als alles was wir vorher erlebt haben. Denn soweit denkt es nicht.
Das Ziel unseres Unterbewusstseins ist nicht unbedingt, uns so glücklich wie möglich zu machen, sondern uns in Sicherheit zu wissen.

Alles, was wir bisher getan oder nicht getan haben, alle Entscheidungen, die wir getroffen haben, haben uns offensichtlich nicht geschadet. Und damit ist unser Unterbewusstsein zufrieden. Jede Entscheidung, die wir treffen, die anders ist, könnte dies tun. Und das möchte unser Unterbewusstsein verhindern.

Wenn wir uns also fragen, ob die innere Stimme nicht vielleicht Recht hat, wenn sie uns warnt und uns von einem Schritt abhalten möchte, dann müssen wir uns klar machen: In diesem Moment haben wir, dank dieser Stimme, nur Angst davor, die aktuelle Sicherheit zu verlieren. Eine Vorstellung davon, was wir eventuell gewinnen, haben wir keineswegs. Und blöderweise werden wir diese nur bekommen, wenn wir den Schritt ins Unbekannte wagen.

Die Angst vor neuen Wegen resultiert ausschließlich aus unserem Unterbewusstsein, das uns, völlig egal wie unsere momentane Situation aussieht, davor schützen möchte, in eine „schlimmere“ Situation zu geraten.

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass Veränderungen und Entscheidungen meiner Meinung nach, meist dann tatsächlich „richtig“ sind, wenn auch nur der kleinste Gedanke daran, es schafft, länger im Kopf zu bestehen.
Wenn dem so sein sollte und Du den Gedanken an eine Veränderung nicht so schnell loswirst und jetzt nur noch von Deinem Unterbewusstsein und der möglichen Gefahr abgehalten wist, dann ist die Sache den Versuch wert, das Unbekannte auszuprobieren.

Aber – und das möchte ich ausdrücklich betonen: Man muss auch nicht alles verändern. Manchmal darf auch einfach alles gut so sein, wie es ist 🙂